THE EARLY YEARS: Evaluating Montessori Education (Science, 29.9.2006)
von Angeline Lillard und Nicole Else-Quest
In der neuesten Ausgabe von Science (der volle Text ist kostenpflichtig) wird eine Analyse beschreiben von akademischen und sozialen Bewertungen von Schülern, im Vergleich zwischen einer Montessori-Schule und anderen Bildungsprogrammen der Elementar- und Primarstufe.
An der untersuchten Montessori-Schule in Milwaukee erfolgt die Aufnahme von Schülern per Losverfahren. So konnten wissenschaftlich relevante Vergleiche der Leistungen aufgenommener und nicht aufgenommer Schülern erfolgen.
Hier ein Zitat (Science Bd. 313, S. 1893 f.): „... Nutzen der Montessori-Pädagogik: In mehreren Dimensionen hatten Kinder an einer staatlichen, im Innenstadtbereich gelegenen Montessori-Schule bessere Ergebnisse im Vergleich zu einer Auswahl von Montessori-Schulbewerbern, die wegen eines Losverfahrens andere Schulen besuchten. Am Ende der Kindergartenzeit zeigten Montessori-Kinder bessere Ergebnisse in standardisierten Tests in Lesen und Mathematik, konstruktivere Interaktionen mit Anderen auf dem Spielplatz sowie fortgeschrittenere soziale Wahrnehmung und Selbstbeherrschung. Sie zeigten auch ein höheres Bestreben nach Fairness und Gerechtigkeit. Am Ende der Grundschule schrieben Montessori-Kinder kreativere Aufsätze mit komplexeren Satzstrukturen, hatten positivere Lösungsansätze in sozialen Dilemmas und berichteten von einem stärkeren Gemeinschaftssinn an ihrer Schule.
... Die Montessori-Pädagogik hat eine fundamental andere Struktur gegenüber traditioneller Pädagogik. Zumindest wenn stringent implementiert, fördert die Montessori-Pädagogik soziale und akademische Kompetenzen, die gleich oder höher anzusetzen sind gegenüber einer Gruppe anderer Schultypen.“
Der Artikel geht ausführlich ein auf die statistischen Randbedingungen der Analyse und möglichen Fehlerquellen, die in diesem Fall weitgehend vermieden werden konnten.
Schule beispielhaft? Gute Noten für Montessori-Pädagogik (spektrumdirekt, 30.9.2006)
„Angesichts unbefriedigenden Abschneidens deutscher Schüler rufen Bildungspolitiker gern nach neuen Konzepten. Vielleicht sollten sie sich eher mit einem hundert Jahre alten Ansatz genauer beschäftigen?“
„... Wer bei "hundert Jahre" an verstaubte, veraltete Methoden denkt, der irrt jedoch. Kaum ein anderer reformpädagogischer Ansatz war zu Zeiten seiner Entstehung so revolutionär und ist bis heute dermaßen aktuell: Das wissbegierige Kind steht im Mittelpunkt, und der Erwachsene soll es nur hilfreich begleitend zum Erkenntnisgewinn führen. Die Klassen sind aus mehreren Alterstufen zusammengesetzt. Die Kontrolle über die Fortschritte bieten die Materialien selbst. Eigenregie und eigener Rhythmus sollen optimalen Lernerfolg bieten. Eigentlich kein Wunder, dass die Methode bei vielen angehenden und erfahrenen Pädagogen sehr beliebt ist. Und auch bei Eltern: Montessori-Schulen können sich über Nachwuchsmangel kaum beklagen - und das trotz Schulgeld an privaten Einrichtungen.
Doch funktioniert das Konzept auch wirklich? Schließlich wird es in der Hälfte der Zeit den Kindern selbst überlassen, was und wie viel sie lernen. Montessori-Pädagogen sind davon überzeugt, dass natürliche Neugier die Schüler antreibt. Und wenn diese eine Pause brauchen, in der sie "nur" spielen, ist auch das richtig und wichtig. Hauptsache, der Nachwuchs lernt in seinem ganz persönlichen Tempo - ohne Noten und Prüfungen, also ohne Leistungsdruck, abgesehen von gelegentlichen Tests, mit denen sie auf den "Alltag" von Regelschulen vorbereitet werden.“
Der Beitrag fasst als Antwort dann die in Science Vol. 313, S. 1893 f. vorgestellte Studie „THE EARLY YEARS: Evaluating Montessori Education“ (s.o.) zusammen und setzt die Ergebnisse in Bezug zur deutschen Bildungslandschaft.
Weitere Beiträge zur Science-Studie vom 29.9.2006
Die Studie der US-Zeitschrift Science (s.u.) wurde in der deutschsprachigen Presse positiv aufgenommen (Links sind evtl. nur zeitlich beschränkt aufrufbar):
Pädagogische Prägung - Fragen an Angeline Lillard, Psychologin an der University of Virginia in Charlottesville, USA
Die Zeit online - 6.10.2006
"Sie haben in einer Studie Montessori-Schüler mit Schülern traditioneller Schulen verglichen. ... Die Montessori-Schüler schnitten dabei deutlich besser ab. ..."
"Zumindest ebenbürtig, oft besser"
sueddeutsche.de - 2.10.2006
Eine Studie bescheinigt Montessori-Schulen und Kindergärten gute Arbeit.
Phantasievoller und sozialer
Telepolis - 29. Sept. 2006
Eltern, die ihre Kinder auf eine Montessori-Schule schicken glauben, dass sie dort individueller betreut und in ihren Fähigkeiten intensiver gefördert werden ...
Montessori-Pädagogik ist spitze
Die Welt - 29. Sept. 2006
Lernen in altersgemischten Klassen, selbstständige Arbeitsphasen, solche Elemente der Montessori-Pädagogik sind keine Kuschelpädagogik für verwöhnte Kinder ...
Studie gibt Montessori-Schulen gute Noten
derStandard.at - 29. Sept. 2006
Washington/New York - US-Psychologen haben den Erfolg der Montessori-Pädagogik wissenschaftlich untersucht und ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt. ...
